Pfarrer Kai Hegemann vom Rat der Kirchen in Soest hielt die Morgenandacht und befasste sich aufgrund von persönlichen Erfahrungen mit der Frage, was jede und jeder von uns durch seine oder ihre Ernährungsgewohnheiten zum Tierwohl beitragen könnte.
Der frühere Bundesvorsitzende der ACK in Deutschland, Erzpriester Constantin Miron, gestaltete anschließend einen thematischen Einstieg zur Mitgeschöpflichkeit von Mensch und Tier in der orthodoxen Theologie und Liturgie. In diesem betonte er, dass die christliche Perspektive die gesamte Schöpfung in eine Beziehung zu Gott stelle. Eine Welt ohne göttliche Bezogenheit sei aus orthodox-theologischer Sicht nicht denkbar.
„Mitgeschöpflichkeit“ als ein theologisches Konzept
Im Rahmen seines Vortrags wurde deutlich, dass der Begriff der „Mitgeschöpfe“ in der orthodoxen Tradition nicht verwendet wird und in den kirchlichen wie gesellschaftlichen Diskursen bislang nicht hinreichend etabliert ist. Die orthodoxe Tradition bietet hier wertvolle Impulse: Ihre eucharistisch geprägte Lebensweise – verstanden als Haltung der Danksagung gegenüber Gott und der Schöpfung – eröffnet einen spirituellen Zugang zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Welt.
Insbesondere durch die diachronische Perspektive (die Betrachtung der Veränderungen im Laufe der Zeit als Gesamtheit), die die Geschichte der Schöpfung und des Glaubens nicht als lineare Abfolge, sondern als ganzheitlichen Zusammenhang begreift, wird ein tieferes Verständnis für die Kontinuität göttlicher Präsenz und menschlicher Verantwortung im Laufe der Jahrhunderte ermöglicht.
Pragmatischer Zugang zur Bewahrung der Schöpfung
Abschließend sprach sich Erzpriester Miron dafür aus, nicht auf vollständig ausgearbeitete theoretische Konzepte zu warten, um schädliche Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Schöpfung zu verhindern. Vielmehr gelte es, mit dem praktisch Möglichen zu beginnen. Denn Veränderungen brauchen Zeit und konkrete Ansätze – bereits kleine Schritte können einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung und zur Achtung des Tierwohls leisten.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie sehr dieses Thema in allen Kirchen präsent ist und immer auch die Frage nach der persönlichen Verantwortung gegenüber den Tieren und einer verantwortungsbewussten Tierhaltung stellt. Die Frage nach einer veganen oder vegetarischen Ernährung ist keine neue Frage, sondern eine in den Fastentraditionen der orthodoxen Kirchen schon seit Jahrhunderten verankerte Praxis.
Die Delegiertenversammlung der ACK NRW knüpfte damit inhaltlich und geistlich an die Feier des Tages der Schöpfung an und setzte ein deutliches Zeichen für ökumenisches Engagement im Zeichen der Nachhaltigkeit und der theologischen Reflexion darüber.